Strandperle in Travemünde
Immer wieder, wenn der auch nur in Ansätzen architektonisch sensible Mensch an die Lübecker Buch fährt, wird er vom Bebauungszustand der Orte entsetzt. Die gesamte Küstenlinien von Travemünde bis Grömitz ist gepflastert mit Bausünden, da Reihen sich 70er Jahre Fewo-Klötze an Gründerzeitvillen, Campingplatzeinfahrten schmiegen sich Imbissbuden, 08/15-Hotels an Souvenierläden. Es schwebt ein Odor des uncharmanten über der Küste. Höhepunkt ist das Maritim-Hotel in Travemünde, ein nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch aufgrund des dunklen Inneren erschlagendes Gebäude. Unweit davon hat ein hochpreisiges, Entschuldigung, exklusives Hotel aus der Arosa-Kette eröffnet. Sternerestaurant, Spa, usw. Mir liegt die lila-schwarz Farbsprache der Arosas nicht, aber wer es mag… Wo wir beim motzen sind: Aus dem ehemals Casino mit der wunderschönen Terasse, auf der man seine Verluste und Gewinne verarbeiten konnte, ist eine Daddelhalle mit einarmigen Banditen geworden. Demokratisierung der Spielsucht? Eher ein weiterer Schritt in die Piefigkeit der Region.
Ein Silberstreifen am Horizont tut sich unweit dieser Lokalitäten am Kaiserkai auf: Die Strandperle. Ein Paar aus Hamburg hat die Villa vor einigen Jahren übernommen, hervorragend restauriert und ein Cafe und Restaurant daraus gezaubert. Tolle Bildbände, guter Apfelstrudel, nette Eigentümer mit Musikgeschmack. Lesungen. Nicht ganz preiswerte, aber tolle Zimmer mit Ausblick auf das…





