Es gilt nach wie vor die Weisheit von Max Goldt: Kinder sind toll, aber Menschen, die Kinder toll finden, sind meistens nicht so toll. Ja, ja, wir Eltern. Trotzdem mag ich nicht allzu oft an Orten sein, die sich in erster Linie als kinderfreundlich bezeichnen. So ein Ort ist beispielsweise das Cafe Sternchance in der Schanze. Etwas eingezwängt zwischen Bahngleisen und der mehrspurigen Schröderstiftstraße hat man einen Rückzugsort geschaffen, der bei Eltern aus der schluffig-lockeren Szene hoch beliebt ist. Das liegt auch an dem guten Essen und deshalb ist das Cafe hier gennannt.
Wen es ebenfalls nicht aus der Stadt treibt kann mit Kind & Kegel in einen der Beach-Clubs gehen. Zentral liegt der Central-Park, auch hier reihen sich die Kinderwagen aneinander. Dann gibts da noch das Cafe del Mar an den Landesbrücken, unser Fall ist das nicht (zu poppig) und den nahe gelegenen Favoriten Strand Pauli. Hier stimmt die Überschrift zwar nicht, denn Essen kann man dort nicht sooo dolle, aber was solls.
Wer den Mut hat und die Plagen ins Auto wuchtet oder eine Radtour wagt, dem seien zwei gute Tipps mitgegeben. Die Aal-Kate liegt weit hinter Wedel nahe Uetersen am Deich. Da werden alle gut bedient, die Kinder, weil sie über den Deich toben können, die Eltern, weil das Essen stimmt. Unbedingt empfehlenswert.
Etwas gediegener geht es im Reepschlägerhaus in Wedel zu. Eher eine Teestube. Aber uns gefällt die unaufgeregte Art vor Ort.
Hier nochmal die erwähnten Locations:
aal-kate.de
sternchance.de
centralpark-hamburg.net
reepschlaegerhaus.de
hamburg-del-mar.de
strand-pauli.de
Heute mal anders rum: Wir verweisen auf eine Website, die uns gut gefällt und ein ähnliches Feld beackert wie wir. Unter www.pensionen-mit-charme.de finden sich wunderbare und außergewöhnliche Pensionen, Ferienwohnungen und kleine Hotels an der Ost- und Nordsee. Gut sortiert, gut gemacht.
Hamburgs älteste und größte Windmühle

Vierlandener Schönheit © Riepenburger Mühle
Nur ein kurzer Tipp, der sowohl im Sommer wie im Winter anzusteuern ist. Die Riepenburger Mühle in den Vierlanden, erbaut 1828. Lecker Kuchen, nettes Team, guter Tee. Draußen sitzt man im Sommer unter den großen Mühlenblättern, drinnen sehr gemütlich oben Cafe, unten gibt es allerlei Gewürze und Teesorten. Nicht das ganze große Ding für einen Extra-Ausflug, aber wenn man mal in der Nähe ist, dann sollte man mal reinschauen.
Alles weitere auf der Website unter www.riepenburgermuehle.de
Im Sommer das wahrscheinlich schönste Café der Heide

© Café Augustenhöh
Manche Tipps gibt man ungern weiter. Es sind die sogenannten “Geheimtipps”, deren allzu weite Verbreitung den Zauber zu nehmen droht. Das Café Augustenhöh in der Nähe von Hanstedt in der Nordheide gehört zweifelsohne zu den wertvollsten Entdeckungen des letzten Jahres, und das hat gleich mehrere Gründe, die hier stakkatoartig aneinander gefügt seien: Das Anwesen liegt umgeben von Wald und Wiesen auf einer kleinen Anhöhe und bietet im großen Sommergarten lichten Schatten. Der untere Bereich des alten Herrenhaus des Guts Augustenhöh dient als gediegen-stilvoller Gastraum. Frühstück, Brunch & Kuchen sind hervorragend (daher sollte man teilweise reservieren). Die Mitarbeiter sind ausnehmend freundlich. Die Chefin lebt ihren Traum. Das Café kann als Ausgangspunkt herrlicher Wanderungen dienen. Die hier im Blog schon besprochene Kunststätte Bossard liegt nahe bei. Ganz in der Nähe liegt im Wald versteckt ein Hexenplatz. Das leckere Wasser aus dem Brunnen gibt es gratis gereicht.
Das sollte reichen, um den Weg zu wagen.
Website: www.cafe-augustenhoeh.de
Standort und Routenplaner bei Google Maps
Vor ein paar Tagen hatten wir das Glück einen Gutschein von Freunden einzulösen, die uns eine Übernachtung auf Schloss Gamehl geschenkt hatten. Das renovierte Schloss liegt unweit von Wismar entfernt. Außen neogotisch, innen freundlich hell. Den ewigen Besitzer des Schlosses, der Familie von Stralendorf, ist es gelungen, aus dem Haus eine sympathisches Hotel der gehobenen Kategorie zu machen. Große Zimmer, oft Blick ins Grüne, ein Teich, unweit davon ein klarer Bach, der sich durch die Auen schlängelt.

Schloss Gamehl
“Man speist vorzüglich”, wie Loriot wohl sagen würde. Eine Sauna im Gewölbe, wunderbar, denn als wir vor Ort waren, ließ der Frühling erst langsam sein Band durch die Felder streifen. Die Umgebung lädt zu Spaziergängen und Wanderungen durch die leicht hügelige Umgebung ein. Die umliegende Häuser deuten auf die nahe Vergangenheit der DDR-Ära hin. Hochzeit feiern kann man dort auch, das Standesamt hat eine Außenstelle eingerichtet.
Zielen tut man anscheinend auch auf die Golfspieler, und das ist ja bekanntlich immer so eine Sache. Wir konnten aber von den Gästen her nichts nachteiliges festellen.
Der Architectual Digest hat das Schloss 2009 zu einen der schönsten 100 Bauten gewählt. Hier der Artikel.
Hier der Standort bei Google Maps.

Strandperle am Kaiserkai
Immer wieder, wenn der auch nur in Ansätzen architektonisch sensible Mensch an die Lübecker Buch fährt, wird er vom Bebauungszustand der Orte entsetzt. Die gesamte Küstenlinien von Travemünde bis Grömitz ist gepflastert mit Bausünden, da Reihen sich 70er Jahre Fewo-Klötze an Gründerzeitvillen, Campingplatzeinfahrten schmiegen sich Imbissbuden, 08/15-Hotels an Souvenierläden. Es schwebt ein Odor des uncharmanten über der Küste. Höhepunkt ist das Maritim-Hotel in Travemünde, ein nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch aufgrund des dunklen Inneren erschlagendes Gebäude. Unweit davon hat ein hochpreisiges, Entschuldigung, exklusives Hotel aus der Arosa-Kette eröffnet. Sternerestaurant, Spa, usw. Mir liegt die lila-schwarz Farbsprache der Arosas nicht, aber wer es mag… Wo wir beim motzen sind: Aus dem ehemals Casino mit der wunderschönen Terasse, auf der man seine Verluste und Gewinne verarbeiten konnte, ist eine Daddelhalle mit einarmigen Banditen geworden. Demokratisierung der Spielsucht? Eher ein weiterer Schritt in die Piefigkeit der Region.
Ein Silberstreifen am Horizont tut sich unweit dieser Lokalitäten am Kaiserkai auf: Die Strandperle. Ein Paar aus Hamburg hat die Villa vor einigen Jahren übernommen, hervorragend restauriert und ein Cafe und Restaurant daraus gezaubert. Tolle Bildbände, guter Apfelstrudel, nette Eigentümer mit Musikgeschmack. Lesungen. Nicht ganz preiswerte, aber tolle Zimmer mit Ausblick auf das Meer. Frischer Tagesfang aus der Ostsee. Bioprodukte. Runde Sache. Dem Projekt kann man nur Erfolg wünschen.
Manchmal ist man so begeistert, dass man einen Tipp gar nicht weiter geben möchte. Mit dem Eislaufsee an der Bokeler Mühle ist das so ein Fall. Ein alter Mühlenteich wird von dem Hotelbesitzer im Winter sehr flach gehalten, so dass er schnell zufriert. Die Kinder und Erwachsenen danken es ihm.

Eislaufsee in Bokel
Umrahmt von Bäumen und mit dem alten Seepavillon mit Spitzdach bietet sich ein romantisches Bild. Am Wochenende ist natürlich mehr los, dann schippen sich die Einheimischen und angereisten Städter die Eisfläche frei und spielen Eishockey. Dieses Jahr plärrte Musik über den See, sollte innovativ sein, wir findens ruhig besser. Am Seepavillon gibt es warme Getränke, es rät sich aber so oder so, etwas Verpflegung mit zu nehmen, denn meistens will man gar nicht mehr runter vom Eis.
Die Fahrt vom Hamburg aus dauert rund 30 Minuten. Zurück geht es wie üblich gefühlt schneller
Standort bei Google Maps.
In Iserhatsche bei Bispingen probt Uwe Schulz-Ebschbach den künstlerischen Ausnahmezustand und sammelt, sägt und schustert, was das Zeug hält. Sein Mausoleum steht, neuestes Projekt: eine Arche.
Wie soll man das beschreiben, was man vor Ort sieht? Kitsch? Gesamtkunstwerk. Provenzieller Größenwahn? Sagen wir einfach: Großartig skurril. Der Künstler Uwe Schulz-Ebschbach und seine Frau verwirklichen hier auf einem Anwesen in der Nähe von Bispingen seit Jahren. Einige Highlights: Ein Terrassen-Seensystem, ein Bierflaschensammlung mit 16.000 noch original abgefüllten Flaschen aus 168 Ländern, eine ebenso große Streichholzschachtelsammlung, ein Standesamt, ein Raum mit Spinnennetzdach. Und natürlich die Jagd-Villa Iserhatsche, die 1914 im schwedischen Holzbaustil für den Königlich Preußischen Kommerzienrat Ernst Nölle gebaut wurde.
Irgendwie kein magischer Ort, aber trotzdem kommen alle gern. Kosmetikkönig Rossmann schmiss hier vor kurzem eine Party, der Prinz von Hannover kam zu Besuch, auch der Ministerpräsident mit Familie. Man wundert sich, das hier jemand so konsequent alles um sich selbst baut.
Das Anwesen liegt 60 Kilometer vor Hamburg, die Homepage gibt optisch einen guten Einblick in den fröhlichen Wahnsinn. Der Hausherr selber gibt die Führungen. Mit etwas Glück zeigt der Mann einem auch das Mausoleum, in dem er dereinst begraben werden soll.